Zeugniscode (versteckte Kritik)
„Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich."
Doppelte Abschwächung. „Ordentlich" ist bereits ein Mittelmaß-Wort, „im Großen und Ganzen" schwächt es weiter ab. Zusammen ergibt das eine deutlich unterdurchschnittliche Bewertung mit spürbaren, nicht genannten Mängeln.
Klar positiv: „Seine Arbeitsergebnisse waren stets von hoher Qualität."

Warum diese Note?
Häufen sich relativierende Wörter („ordentlich", „im Großen und Ganzen", „insgesamt"), ist das ein sicheres Zeichen für versteckte Kritik.
Arbeitszeugnis entschlüsseln: die Notentabelle
So klingt Arbeitsqualität & Arbeitsergebnisse auf jeder Notenstufe. Deine Formulierung ist hervorgehoben.
| Note | Typische Formulierung |
|---|---|
| Note 1sehr gut | „die Arbeitsergebnisse waren stets von höchster Qualität" |
| Note 2gut | „die Arbeitsergebnisse waren von hoher Qualität" |
| Note 3befriedigend | „die Arbeitsergebnisse entsprachen guter Qualität" |
| Note 4ausreichend | „die Arbeitsergebnisse waren brauchbar" |
| Note 5mangelhaft | „die Arbeitsergebnisse waren im Großen und Ganzen ordentlich"← diese Seite |
| Note 6ungenügend | „bemühte sich um brauchbare Arbeitsergebnisse" |
Wo steht dieser Satz im Zeugnis?
Diese Formulierung gehört in die Leistungsbeurteilung. So liest sie sich im Zusammenhang eines echten Arbeitszeugnisses:
Als zusammenfassende Leistungsbewertung erscheint dieser Satz im Zeugnis wörtlich so: „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich.". Eine Stufe höher stünde an derselben Stelle „die Arbeitsergebnisse waren brauchbar" (Note 4, ausreichend) — genau dieser Abstand ist es, den ein Personaler beim Lesen sofort einordnet.
Wie sich diese Notenstufe von den übrigen unterscheidet, erklärt die versteckten Geheimcodes im Arbeitszeugnis.
Deine Rechte — und was du konkret tun kannst
Für „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." — eingeordnet als Note 5 (mangelhaft) — bedeutet die Rechtslage konkret:
- Bei „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." liegt die Bewertung im unteren Bereich (Note 5–6) oder es handelt sich um einen versteckten Geheimcode — die Formulierung weicht von der geschuldeten durchschnittlichen Bewertung nach unten ab.
- Für eine unterdurchschnittliche Bewertung trägt der Arbeitgeber die Darlegungs- und Beweislast: Er muss die schlechte Leistung konkret belegen (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Auf dieser Skala wäre „die Arbeitsergebnisse waren stets von höchster Qualität" die stärkste Fassung.
- Bei unzulässigen Geheimcodes besteht zudem ein Streichungsanspruch — das Zeugnis muss klar und verständlich sein und darf keine versteckten Herabsetzungen enthalten (§ 109 Abs. 2 GewO).
Rechtsgrundlage: Der Anspruch auf ein qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis folgt aus § 109 GewO. Nach § 109 Abs. 2 GewO muss das Zeugnis klar formuliert sein und darf keine versteckten Merkmale (Geheimcodes) enthalten, die den Arbeitnehmer unzulässig herabsetzen.
Frist: Eine starre gesetzliche Ausschlussfrist gibt es nicht, ein Korrekturwunsch sollte aber zeitnah geäußert werden — je länger du wartest, desto eher kann der Anspruch verwirken. Zusätzlich können arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen gelten. Was du auf Basis dieser Einordnung konkret tun kannst, vertieft ein schlechtes Zeugnis erkennen und anfechten.
Musterformulierung für deine Korrekturbitte
Text markieren, kopieren, [Klammern] ergänzen:
Sehr geehrte Damen und Herren, in meinem Arbeitszeugnis vom [Datum des Zeugnisses] heißt es wörtlich: „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." Ich bitte Sie, diese Beurteilung durch eine wohlwollendere, in der Zeugnispraxis übliche Formulierung zu ersetzen, zum Beispiel: „die Arbeitsergebnisse waren stets von höchster Qualität" Bitte stellen Sie mir das korrigierte Zeugnis bis zum [Datum] zu. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Dies ist eine allgemeine Information zur Zeugnissprache und Rechtslage, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Verwechslungen
✗ „die Arbeitsergebnisse waren brauchbar" und „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." sagen dasselbe aus.
✓ „die Arbeitsergebnisse waren brauchbar" ist Note 4 (ausreichend), „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." dagegen Note 5 (mangelhaft) — eine Stufe darunter.
Der sprachliche Unterschied wirkt klein, entscheidet in der Zeugnissprache aber über die Notenstufe.
✗ „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." ist genauso schwach wie „bemühte sich um brauchbare Arbeitsergebnisse".
✓ Nein — „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." trägt Note 5 (mangelhaft), „bemühte sich um brauchbare Arbeitsergebnisse" erst Note 6 (ungenügend). Dieser Satz steht eine Stufe höher.
Nach unten trennt dieselbe feine Wortwahl die Stufen — ein weggelassenes Verstärkungswort senkt die Bewertung.
Verwandte Formulierungen
Häufige Fragen
Welche Note bedeutet „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." im Arbeitszeugnis?▾
Diese Formulierung entspricht der Note 5 (mangelhaft). Häufen sich relativierende Wörter („ordentlich", „im Großen und Ganzen", „insgesamt"), ist das ein sicheres Zeichen für versteckte Kritik.
Wie lautet eine bessere Formulierung?▾
Klar positiv: „Seine Arbeitsergebnisse waren stets von hoher Qualität."
Worauf kommt es bei „Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." genau an?▾
„Seine Arbeit war im Großen und Ganzen ordentlich." codiert Note 5 (mangelhaft). Eine Stufe höher hieße es „die Arbeitsergebnisse waren brauchbar" (Note 4, ausreichend).
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