Fordere dein Arbeitszeugnis ausdrücklich als qualifiziertes Zeugnis an — per E-Mail oder Brief an die Personalabteilung oder deine Ansprechperson. Nenne Beschäftigungszeitraum, Tätigkeit und Wunschdatum. Im laufenden Arbeitsverhältnis geht es um ein Zwischenzeugnis: Eine Kündigung ist für die Anfrage nicht nötig.
Für die Anfrage im laufenden Job lies Zwischenzeugnis anfordern; nach Erhalt helfen dir die Arbeitszeugnis-Noten und der Zeugnis-Check.
Anspruch: einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis?
Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses hast du nach § 109 GewO Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dabei unterscheidet das Gesetz zwei Inhalte:
- Einfaches Zeugnis: Es nennt Art und Dauer deiner Tätigkeit, enthält aber keine Bewertung deiner Leistung oder deines Verhaltens.
- Qualifiziertes Zeugnis: Es umfasst zusätzlich die Beurteilung von Leistung und Verhalten. Diese Erweiterung kannst du ausdrücklich verlangen.
Für Bewerbungen ist häufig das qualifizierte Zeugnis gefragt, weil es mehr als die Beschäftigung bestätigt. Schreibe deshalb nicht nur „Bitte um eine Bescheinigung“, sondern benenne die gewünschte Zeugnisart. Ein einfaches Zeugnis ist keine schlechte Bewertung; es enthält schlicht keine Leistungsbeurteilung.
Die folgenden Schritte sind allgemeine Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Der gesetzliche Anspruch bei Beendigung ist von der Frage nach einem Zwischenzeugnis im laufenden Job zu unterscheiden.
Wann solltest du dein Arbeitszeugnis anfordern?
Bei Kündigung oder vereinbartem Austritt
Sobald dein Austrittsdatum feststeht, kannst du die Ausstellung mit HR abstimmen — etwa zusammen mit der Kündigung oder bei der Übergabe deiner Aufgaben. Nenne den letzten Beschäftigungstag und frage, wann das Schlusszeugnis bereitsteht. Warte mit der Anfrage nicht bis zu einer Bewerbung, bei der du es dringend brauchst.
Ohne Kündigung: Zwischenzeugnis anfordern
Besteht dein Arbeitsverhältnis weiter, bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis statt um ein Schlusszeugnis. Ein Vorgesetztenwechsel, eine Versetzung oder eine interne Bewerbung sind nachvollziehbare Anlässe für das Gespräch. Beschreibe den tatsächlichen Anlass knapp, ohne eine Kündigung anzudeuten, die nicht geplant ist.
§ 109 GewO regelt den Anspruch bei Beendigung; daraus folgt nicht automatisch ein jederzeitiger Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Wie du eine Anfrage im laufenden Job formulierst, erläutert der Ratgeber Zwischenzeugnis anfordern.
Nach dem Ausscheiden
Fehlt dir das Zeugnis noch, frage zeitnah bei deinem ehemaligen Arbeitgeber an. Gib auch frühere Abteilung, Personalnummer, falls vorhanden, und aktuelle Kontaktdaten an. Verlasse dich nicht darauf, dass eine Anforderung nach Jahren problemlos möglich bleibt: Lass mögliche Fristen für deinen Einzelfall klären, statt die Anfrage aufzuschieben.
Arbeitszeugnis anfordern: Schritt für Schritt
- Zuständigkeit klären: Frage bei der Personalabteilung oder deiner Führungskraft nach, wer die Ausstellung koordiniert. Halte dich an den betrieblichen Anfrageweg, falls es dafür ein Portal gibt.
- Zeugnisart und Zeitraum nennen: Bitte ausdrücklich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Nenne Eintrittsdatum, Austrittsdatum und Tätigkeit; bei einem Zwischenzeugnis den bisherigen Beschäftigungszeitraum.
- Wunschdatum abstimmen: Sage, wann du das Zeugnis benötigst, und nenne gegebenenfalls eine Bewerbungsfrist. Bitte um Rückmeldung, wenn der Termin nicht möglich ist.
- Ausstellung erleichtern: Biete eine kurze Übersicht deiner Aufgaben, Verantwortungsbereiche und Positionswechsel an. So lassen sich fehlende Tätigkeiten früh erkennen; eine eigene Bewertung musst du nicht vorgeben.
- Anfrage dokumentieren: Bewahre E-Mail oder Brief mit Datum und Inhalt auf. Bitte um eine Eingangsbestätigung und kläre, ob das Zeugnis abgeholt oder zugesandt werden soll. Eine gesendete E-Mail allein beweist nicht automatisch den Zugang.
Eine mündliche Bitte kann den Prozess anstoßen. Eine anschließende kurze E-Mail hält jedoch fest, was du angefordert hast und welcher Termin besprochen wurde. Die Anfrage per E-Mail und die Form des später ausgestellten Zeugnisses sind dabei zwei unterschiedliche Dinge.
Kurzer Textbaustein: Arbeitszeugnis per E-Mail anfordern
Passe diesen Beispieltext an deine Beschäftigung und den vereinbarten Austritt an. Das Wunschdatum ist eine Bitte zur Planung, keine automatisch verbindliche Frist.
Betreff: Bitte um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis
Guten Tag [Name],
anlässlich meines Ausscheidens am [Austrittsdatum] bitte ich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis für meine Tätigkeit als [Position] vom [Eintrittsdatum] bis zum [Austrittsdatum], einschließlich einer Beurteilung meiner Leistung und meines Verhaltens.
Ich benötige das Zeugnis möglichst bis zum [Wunschdatum]. Bitte bestätigen Sie den Eingang und teilen Sie mir mit, wann es bereitsteht und wie ich es erhalte. Eine Übersicht meiner Aufgaben stelle ich bei Bedarf gern zusammen.
Vielen Dank und freundliche Grüße
[Dein Name]
Für einen Brief kannst du denselben Text mit Absender, Empfänger und Datum verwenden. Für ein Zwischenzeugnis ersetzt du den Austrittssatz durch: „Anlässlich [Anlass] bitte ich um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis für meine bisherige Tätigkeit seit [Eintrittsdatum].“
Wie lange warten — und was tun bei Verzögerung oder Weigerung?
§ 109 GewO nennt keine feste Bearbeitungsdauer in Tagen oder Wochen. Stimme daher einen konkreten Termin ab, statt von einer pauschalen Ausstellungsfrist auszugehen. Frage auch nach, ob noch Angaben zu deinen Aufgaben fehlen. Ein Wunschdatum in deiner ersten Anfrage bedeutet nicht, dass das Zeugnis bis dahin vorliegt.
- Termin verstrichen: Erinnere schriftlich an deine Anfrage vom [Datum]. Bitte um einen verbindlichen Stand und einen konkreten Ausgabetermin. Nenne eine dringende Bewerbungsfrist sachlich.
- Weiter keine Rückmeldung: Prüfe die Zuständigkeit, frage bei HR nach und dokumentiere weitere Kontaktversuche. Falls vorhanden, kann der Betriebsrat beim Gespräch unterstützen.
- Ausdrückliche Weigerung oder anhaltende Verzögerung: Bitte um eine schriftliche Begründung. Hole individuelle arbeitsrechtliche Beratung ein, etwa bei deiner Gewerkschaft oder einer Fachanwältin beziehungsweise einem Fachanwalt. Dort lassen sich Fristen und weitere Schritte für deine Situation klären.
Eine sachliche Erinnerung kann lauten: „Am [Datum] habe ich mein qualifiziertes Arbeitszeugnis angefordert. Der besprochene Termin ist verstrichen. Bitte teilen Sie mir bis [Rückmeldedatum] mit, wann und wie ich das Zeugnis erhalte.“ Bewahre die bisherige Korrespondenz auf. Weitere Hinweise findest du unter Arbeitszeugnis nicht erhalten.
Nach Erhalt: Vollständigkeit und Formulierungen ansehen
Vergleiche zunächst Name, Beschäftigungsdaten, Positionen und Aufgaben mit deinen Unterlagen. Hast du ein qualifiziertes Zeugnis angefordert, sollten auch Leistung und Verhalten beurteilt werden. Notiere konkrete fehlende oder unzutreffende Angaben, statt nur allgemein um ein „besseres Zeugnis“ zu bitten.
Zur Einordnung typischer Bewertungen helfen die Arbeitszeugnis-Noten und die Zeugnissprache mit Formulierungsbeispielen. Auf der Seite Arbeitszeugnis prüfen findest du den Einstieg zur Textanalyse. Entferne vor der Eingabe personenbezogene Angaben. Eine Textanalyse ersetzt keine individuelle Rechtsberatung und entscheidet nicht über einen Anspruch auf eine bestimmte Note.
FAQ
Häufige Fragen zum Arbeitszeugnis anfordern
Wie fordere ich ein qualifiziertes Arbeitszeugnis an?
Bitte HR oder deine zuständige Ansprechperson per E-Mail oder Brief ausdrücklich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Nenne deine Tätigkeit, den Beschäftigungszeitraum und ein Wunschdatum. Bitte um Eingangsbestätigung und Rückmeldung zur Übergabe.
Kann ich ein Arbeitszeugnis ohne Kündigung anfordern?
Im laufenden Arbeitsverhältnis fragst du nach einem Zwischenzeugnis. Nenne einen nachvollziehbaren Anlass wie einen Vorgesetztenwechsel oder eine interne Bewerbung. Der Anspruch bei Beendigung aus § 109 GewO ist nicht mit einem jederzeitigen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis gleichzusetzen.
Was unterscheidet ein einfaches von einem qualifizierten Zeugnis?
Ein einfaches Zeugnis dokumentiert Art und Dauer deiner Tätigkeit. Ein qualifiziertes Zeugnis enthält zusätzlich eine Beurteilung von Leistung und Verhalten. Wenn du diese Bewertung für Bewerbungen brauchst, verlange ausdrücklich ein qualifiziertes Zeugnis.
Wie lange hat der Arbeitgeber für das Arbeitszeugnis Zeit?
§ 109 GewO legt keine feste Bearbeitungsdauer fest. Stimme einen konkreten Termin ab und erinnere schriftlich, wenn er verstreicht. Dein Wunschdatum ist nicht automatisch eine verbindliche Ausstellungsfrist.
Was kann ich tun, wenn der Arbeitgeber das Zeugnis verweigert?
Dokumentiere deine Anfrage, erinnere schriftlich und bitte um eine Begründung sowie einen konkreten Ausgabetermin. Bei anhaltender Weigerung oder Zeitdruck ist individuelle arbeitsrechtliche Beratung sinnvoll, um Fristen und weitere Schritte zu klären.



