Leistungsbeurteilung

Er bemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden."

Note 6ungenügendBedeutung im Klartext

Ungenügende Belastbarkeit (Note 6). Alle anderen Stufen dieser Skala arbeiten mit demselben Verb — „war gewachsen" — und stufen über die Zusätze ab. Hier wechselt das Verb selbst: „bemühte sich" beschreibt eine Absicht, kein Ergebnis. Damit fällt die Aussage aus der Skala heraus, statt an ihrem unteren Ende zu stehen. Sie bescheinigt Anstrengung und verschweigt den Erfolg.

Bessere Formulierung

Deutlich stärker bereits: „Er war den Belastungen in der Regel gewachsen" (Note 5) — auch das keine gute Note, aber immerhin mit Ergebnis-Verb. Die Bestnote lautet „auch höchsten Belastungen jederzeit gewachsen". Der entscheidende Schritt ist der Wechsel zurück von der Absicht zum Ergebnis.

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Warum diese Note?

Zeugnisse loben das Ergebnis. Wo stattdessen die Bemühung gelobt wird, ist die Auslassung des Ergebnisses die Botschaft — ein Muster, das in der Personalpraxis quer über alle Bewertungsthemen hinweg gelesen wird, nicht nur bei der Belastbarkeit. Deshalb wiegt dieser Satz schwerer als jede Relativierung.

Arbeitszeugnis entschlüsseln: die Notentabelle

So klingt Belastbarkeit auf jeder Notenstufe. Deine Formulierung ist hervorgehoben.

NoteTypische Formulierung
Note 1sehr gutwar auch höchsten Belastungen jederzeit gewachsen"
Note 2gutwar hohen Belastungen stets gewachsen"
Note 3befriedigendwar den üblichen Belastungen gewachsen"
Note 4ausreichendwar den Belastungen im Allgemeinen gewachsen"
Note 5mangelhaftwar den Belastungen in der Regel gewachsen"
Note 6ungenügendbemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden"← diese Seite

Wo steht dieser Satz im Zeugnis?

Diese Formulierung gehört in die Leistungsbeurteilung. So liest sie sich im Zusammenhang eines echten Arbeitszeugnisses:

„Bemühte sich" ist in der Zeugnissprache ein Signalwort für Misserfolg — unabhängig vom Thema. In Verbindung mit Belastungssituationen bedeutet es: Der Druck wurde erkennbar nicht bewältigt. Weil der Code themenunabhängig funktioniert, lohnt ein Durchgang durch das ganze Zeugnis: Findet sich „bemühte sich" mehrfach, betrifft der Befund nicht nur einen Bereich, sondern prägt das Gesamtbild des Dokuments.

Wie sich diese Notenstufe von den übrigen unterscheidet, erklärt wie Steigerungswörter die Zeugnisnote verändern.

Deine Rechte — und was du konkret tun kannst

Achte auf das Verb, nicht auf die Zusätze. Beschreibt es eine Absicht statt eines Ergebnisses, ist das die schärfste Abstufung.

  • Bei „Er bemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden." liegt die Bewertung im unteren Bereich (Note 5–6) oder es handelt sich um einen versteckten Geheimcode — die Formulierung weicht von der geschuldeten durchschnittlichen Bewertung nach unten ab.
  • Der „Bemühens"-Code ist eine der deutlichsten negativen Formulierungen der Zeugnissprache — er sagt aus, dass das Ziel nicht erreicht wurde. Eine solche Formulierung muss durch den tatsächlichen Leistungsverlauf gedeckt sein; ein einzelner schwacher Satz ohne Rückhalt im übrigen Zeugnis ist angreifbar.
  • Bei einer derart unterdurchschnittlichen Formulierung trägt der Arbeitgeber die volle Darlegungs- und Beweislast (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13) — er muss konkrete Beispiele für die nicht bewältigte Belastung vorweisen können, sonst ist die Formulierung im Streitfall nicht haltbar.

Rechtsgrundlage: Der Anspruch auf ein qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis folgt aus § 109 GewO. Nach § 109 Abs. 2 GewO muss das Zeugnis klar formuliert sein und darf keine versteckten Merkmale (Geheimcodes) enthalten, die den Arbeitnehmer unzulässig herabsetzen.

Frist: Eine starre gesetzliche Ausschlussfrist gibt es nicht, ein Korrekturwunsch sollte aber zeitnah geäußert werden — je länger du wartest, desto eher kann der Anspruch verwirken. Zusätzlich können arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen gelten. Was du auf Basis dieser Einordnung konkret tun kannst, vertieft ein schlechtes Zeugnis erkennen und anfechten.

Musterformulierung für deine Korrekturbitte

Text markieren, kopieren, [Klammern] ergänzen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in meinem Arbeitszeugnis vom [Datum des Zeugnisses] heißt es wörtlich:
„Er bemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden."

Ich bitte Sie, diese Beurteilung durch eine wohlwollendere, in der Zeugnispraxis übliche Formulierung zu ersetzen, zum Beispiel:
„war auch höchsten Belastungen jederzeit gewachsen"

Bitte stellen Sie mir das korrigierte Zeugnis bis zum [Datum] zu.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Dies ist eine allgemeine Information zur Zeugnissprache und Rechtslage, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Verwechslungen

  • „bemühte sich" klingt wie ehrliches Engagement und ist daher positiv gemeint.

    In der Zeugnissprache ist „bemühte sich" ohne Ergebnis-Zusatz die deutlichste Form von Kritik.

    Der „Bemühens"-Code trennt bewusst Anstrengung von Erfolg — genau das ist die Botschaft.

  • Der Satz ist eine besonders tiefe Stufe derselben Bewertungsreihe.

    Er wechselt das Verb und damit die Bezugsgröße — bewertet wird die Absicht, nicht mehr das Ergebnis.

    Alle anderen Stufen dieser Familie nutzen „war gewachsen" und stufen nur über die Zusätze ab.

Mehrdeutig — auf den Kontext kommt es an

Diese Formulierung lässt mehr als eine seriöse Deutung zu. Welche zutrifft, zeigt erst das gesamte Zeugnis.

  • 1Wörtlich gelesen: eine Anerkennung des Einsatzes und des guten Willens.
  • 2Fachlich gelesen: das Ergebnis fehlt bewusst — der Bemühens-Code ist die deutlichste Form von Kritik.

FAQ

Häufige Fragen

Antworten auf die meistgestellten Fragen — kurz und verständlich.

Wie ist „Er bemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden" zu verstehen?

Als Note 6. Der Satz lobt die Anstrengung und lässt das Ergebnis weg — in der Zeugnissprache ist das die deutlichste Form negativer Bewertung.

Warum ist der Verbwechsel so entscheidend?

Weil alle anderen Stufen dieser Familie „war gewachsen" verwenden und nur über die Zusätze abstufen. Hier wechselt die Bezugsgröße von Ergebnis auf Absicht.

Was tue ich, wenn „bemühte sich" mehrfach im Zeugnis steht?

Dann geht es nicht um einen Einzelsatz, sondern um das Gesamtbild. Sammle die Fundstellen und sprich sie gemeinsam an — der Arbeitgeber muss für jede unterdurchschnittliche Aussage konkrete Vorgänge benennen können.

Noch Fragen? Schreib uns:kontakt@direkt-erledigt.de

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