Leistungsbeurteilung

Er war den Belastungen im Allgemeinen gewachsen."

Note 4ausreichendBedeutung im Klartext

Ausreichende Belastbarkeit (Note 4, Tendenz nach unten). „Im Allgemeinen" öffnet eine Tür, durch die niemand geht: Der Satz räumt Ausnahmen ein, benennt sie aber nicht. Für Lesende bleibt damit offen, wie viele Ausnahmen es gab und wie schwer sie wogen — und genau diese Unbestimmtheit wirkt in Bewerbungsverfahren zulasten der bewerteten Person.

Bessere Formulierung

Deutlich stärker ohne Einschränkung: „Er war den üblichen Belastungen gewachsen" (Note 3). Der Gewinn liegt im Streichen, nicht im Umformulieren — sobald der relativierende Einschub entfällt, gilt die Aussage uneingeschränkt.

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Person arbeitet konzentriert am Laptop mit Notizen und Kaffeetasse

Warum diese Note?

Ein Zeugnis, das eine Einschränkung setzt, ohne sie auszuführen, überlässt die Auslegung dem Leser. Erfahrene Personalabteilungen füllen solche Lücken erfahrungsgemäß nicht zugunsten der Bewerberin oder des Bewerbers. Deshalb wiegt eine unbenannte Ausnahme schwerer als eine benannte, die sich einordnen ließe.

Arbeitszeugnis entschlüsseln: die Notentabelle

So klingt Belastbarkeit auf jeder Notenstufe. Deine Formulierung ist hervorgehoben.

NoteTypische Formulierung
Note 1sehr gutwar auch höchsten Belastungen jederzeit gewachsen"
Note 2gutwar hohen Belastungen stets gewachsen"
Note 3befriedigendwar den üblichen Belastungen gewachsen"
Note 4ausreichendwar den Belastungen im Allgemeinen gewachsen"← diese Seite
Note 5mangelhaftwar den Belastungen in der Regel gewachsen"
Note 6ungenügendbemühte sich, den Belastungen gerecht zu werden"

Wo steht dieser Satz im Zeugnis?

Diese Formulierung gehört in die Leistungsbeurteilung. So liest sie sich im Zusammenhang eines echten Arbeitszeugnisses:

„Im Allgemeinen" gehört zur Familie der Einschränkungswörter, die in der Zeugnissprache gezielt Ausnahmen andeuten. Wer diesen Satz liest, sollte ihn nicht als bloße Stilvariante von „üblich" lesen — er liegt eine Stufe darunter. Nützlich ist ein Quervergleich innerhalb des eigenen Zeugnisses: Tauchen ähnliche Einschübe auch bei Arbeitsweise, Zusammenarbeit oder Ergebnisqualität auf, entsteht ein durchgehendes Muster, das sich als Ganzes ansprechen lässt statt Satz für Satz.

Wie sich diese Notenstufe von den übrigen unterscheidet, erklärt wie Steigerungswörter die Zeugnisnote verändern.

Deine Rechte — und was du konkret tun kannst

Suche im Zeugnis nach einer Stelle, die die eingeräumte Ausnahme erklärt. Findest du keine, ist die Unbestimmtheit selbst der Ansatzpunkt.

  • Bei „Er war den Belastungen im Allgemeinen gewachsen." gilt der Grundanspruch: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis mit mindestens durchschnittlicher, also „befriedigender" Bewertung.
  • Die Formulierung räumt sprachlich Ausnahmen ein, ohne sie zu benennen. Das ist zulässig — ein Zeugnis muss keine Idealbeurteilung sein —, aber es lohnt der Blick auf den übrigen Fließtext: Wird die Ausnahmesituation, die zu dieser Einschränkung geführt haben könnte, an anderer Stelle erläutert oder bleibt sie im Dunkeln? Bleibt sie unklar, kannst du um Konkretisierung bitten.
  • Für eine bessere als durchschnittliche Bewertung müsstest du selbst darlegen, dass die Belastbarkeit tatsächlich über dem hier ausgedrückten Niveau lag (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Der Arbeitgeber muss die eingeräumte Einschränkung nicht weiter begründen.

Rechtsgrundlage: Der Anspruch auf ein qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis folgt aus § 109 GewO. Nach § 109 Abs. 2 GewO muss das Zeugnis klar formuliert sein und darf keine versteckten Merkmale (Geheimcodes) enthalten, die den Arbeitnehmer unzulässig herabsetzen.

Frist: Eine starre gesetzliche Ausschlussfrist gibt es nicht, ein Korrekturwunsch sollte aber zeitnah geäußert werden — je länger du wartest, desto eher kann der Anspruch verwirken. Zusätzlich können arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen gelten. Was du auf Basis dieser Einordnung konkret tun kannst, vertieft Arbeitszeugnis ändern lassen — Schritt für Schritt.

Musterformulierung für deine Korrekturbitte

Text markieren, kopieren, [Klammern] ergänzen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in meinem Arbeitszeugnis vom [Datum des Zeugnisses] heißt es wörtlich:
„Er war den Belastungen im Allgemeinen gewachsen."

Ich bitte Sie, diese Beurteilung durch eine wohlwollendere, in der Zeugnispraxis übliche Formulierung zu ersetzen, zum Beispiel:
„war auch höchsten Belastungen jederzeit gewachsen"

Bitte stellen Sie mir das korrigierte Zeugnis bis zum [Datum] zu.

Mit freundlichen Grüßen
[Name]

Dies ist eine allgemeine Information zur Zeugnissprache und Rechtslage, keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Verwechslungen

  • „im Allgemeinen" und „üblich" bedeuten dasselbe.

    „Im Allgemeinen" räumt aktiv Ausnahmen ein und ist damit schwächer als das neutralere „üblich".

    Die Personalpraxis unterscheidet zwischen neutralen Begrenzungen und aktiven Einschränkungen.

  • Eine nicht benannte Ausnahme ist harmloser als eine benannte.

    Unbestimmte Einschränkungen werden im Zweifel zulasten der bewerteten Person gelesen.

    Was nicht erklärt wird, kann nicht eingeordnet werden — Leser ergänzen die Lücke selbst.

Mehrdeutig — auf den Kontext kommt es an

Diese Formulierung lässt mehr als eine seriöse Deutung zu. Welche zutrifft, zeigt erst das gesamte Zeugnis.

  • 1Wohlwollend gelesen: eine vorsichtige Formulierung, die keine konkrete Kritik enthält.
  • 2Fachlich gelesen: eine eingeräumte, aber nicht erklärte Ausnahme — die Auslegung bleibt dem Leser überlassen.

FAQ

Häufige Fragen

Antworten auf die meistgestellten Fragen — kurz und verständlich.

Was bedeutet „den Belastungen im Allgemeinen gewachsen"?

Note 4 mit Tendenz nach unten. Der Einschub räumt Ausnahmen ein, ohne sie zu benennen — die Aussage gilt damit nicht uneingeschränkt.

Ist „im Allgemeinen" wirklich schwächer als „üblich"?

Ja. „Üblich" begrenzt den Maßstab auf den Normalfall, „im Allgemeinen" räumt zusätzlich Abweichungen von der eigenen Aussage ein. Das ist eine Stufe tiefer.

Lohnt es, nach der gemeinten Ausnahme zu fragen?

Ja, denn genau darin liegt der Hebel. Entweder lässt sich der Vorfall einordnen und relativieren — oder es gibt keinen konkreten, dann ist die Bitte um Streichung des Einschubs sachlich gut begründet.

Noch Fragen? Schreib uns:kontakt@direkt-erledigt.de

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