Leistungsbeurteilung
„Er bewältigte das Arbeitspensum im Wesentlichen."
Mangelhaftes Arbeitstempo (Note 5). Beim Arbeitspensum wiegt der Vorbehalt „im Wesentlichen" besonders schwer, weil er sich auf eine zählbare Größe bezieht: Arbeit, die nicht bewältigt wurde, bleibt liegen. Der Satz sagt damit indirekt, dass regelmäßig Rückstände entstanden sind — und dass jemand anderes sie aufgefangen haben muss.
Ohne den Vorbehalt lautet der Satz „Er bewältigte das anfallende Arbeitspensum" (Note 4), mit Tempo-Zusatz „zügig" wäre es Note 3. Die wirksamste Bitte ist die ersatzlose Streichung von „im Wesentlichen" — sie hebt die Bewertung sofort um eine Stufe.

Warum diese Note?
Bei Eigenschaften bleibt ein Vorbehalt vage, bei Mengen wird er konkret. „Im Wesentlichen bewältigt" lässt sich nur so verstehen, dass ein Teil des Pensums offen blieb. Diese Nachvollziehbarkeit macht die Formulierung zu einem der härteren Signale der Leistungsbeurteilung.
Arbeitszeugnis entschlüsseln: die Notentabelle
So klingt Arbeitstempo & Arbeitsmenge auf jeder Notenstufe. Deine Formulierung ist hervorgehoben.
| Note | Typische Formulierung |
|---|---|
| Note 1sehr gut | „bewältigte auch ein außergewöhnlich hohes Arbeitspensum stets zügig und sicher" |
| Note 2gut | „bewältigte ein hohes Arbeitspensum zügig und sicher" |
| Note 3befriedigend | „bewältigte das anfallende Arbeitspensum zügig" |
| Note 4ausreichend | „bewältigte das anfallende Arbeitspensum" |
| Note 5mangelhaft | „bewältigte das Arbeitspensum im Wesentlichen"← diese Seite |
| Note 6ungenügend | „bemühte sich, das Arbeitspensum zu bewältigen" |
Wo steht dieser Satz im Zeugnis?
Diese Formulierung gehört in die Leistungsbeurteilung. So liest sie sich im Zusammenhang eines echten Arbeitszeugnisses:
Bei Mengenaussagen lässt sich ein Vorbehalt anders prüfen als bei Eigenschaftsaussagen: Er behauptet einen Zustand, den es entweder gab oder nicht. Wer diesen Satz im Zeugnis findet, sollte deshalb die eigene Arbeitsdokumentation durchgehen — Übergabeprotokolle, Fristenlisten, Urlaubsvertretungen. Ein Vorbehalt, der sich an keinem einzigen konkreten Vorgang festmachen lässt, hält einer sachlichen Nachfrage selten stand.
Wie sich diese Notenstufe von den übrigen unterscheidet, erklärt die Notenskala Schritt für Schritt erklärt.
Deine Rechte — und was du konkret tun kannst
Prüfe, ob das Zeugnis die Arbeitsmenge an anderer Stelle als überdurchschnittlich beschreibt. Ein Vorbehalt bei gleichzeitig belegter Überlast ist ein starkes Argument gegen die Formulierung.
- Bei „Er bewältigte das Arbeitspensum im Wesentlichen." liegt die Bewertung im unteren Bereich (Note 5–6) oder es handelt sich um einen versteckten Geheimcode — die Formulierung weicht von der geschuldeten durchschnittlichen Bewertung nach unten ab.
- Die Aussage liegt klar unter der durchschnittlichen Bewertung, die § 109 GewO garantiert, und behauptet zudem einen nachprüfbaren Sachverhalt — nicht bewältigte Arbeit. Genau das macht sie angreifbar: Du kannst die Streichung des Vorbehalts verlangen, solange keine konkreten Rückstände belegt werden.
- Der Arbeitgeber muss die unterdurchschnittliche Bewertung darlegen und beweisen (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Bei einer Mengenaussage heißt das: benennbare liegengebliebene Vorgänge, Fristüberschreitungen oder Übergaben an Kollegen. Allgemeine Unzufriedenheit reicht dafür nicht aus.
Rechtsgrundlage: Der Anspruch auf ein qualifiziertes, wohlwollendes Zeugnis folgt aus § 109 GewO. Nach § 109 Abs. 2 GewO muss das Zeugnis klar formuliert sein und darf keine versteckten Merkmale (Geheimcodes) enthalten, die den Arbeitnehmer unzulässig herabsetzen.
Frist: Eine starre gesetzliche Ausschlussfrist gibt es nicht, ein Korrekturwunsch sollte aber zeitnah geäußert werden — je länger du wartest, desto eher kann der Anspruch verwirken. Zusätzlich können arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen gelten. Was du auf Basis dieser Einordnung konkret tun kannst, vertieft ein schlechtes Zeugnis erkennen und anfechten.
Musterformulierung für deine Korrekturbitte
Text markieren, kopieren, [Klammern] ergänzen:
Sehr geehrte Damen und Herren, in meinem Arbeitszeugnis vom [Datum des Zeugnisses] heißt es wörtlich: „Er bewältigte das Arbeitspensum im Wesentlichen." Ich bitte Sie, diese Beurteilung durch eine wohlwollendere, in der Zeugnispraxis übliche Formulierung zu ersetzen, zum Beispiel: „bewältigte auch ein außergewöhnlich hohes Arbeitspensum stets zügig und sicher" Bitte stellen Sie mir das korrigierte Zeugnis bis zum [Datum] zu. Mit freundlichen Grüßen [Name]
Dies ist eine allgemeine Information zur Zeugnissprache und Rechtslage, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Verwechslungen
✗ „im Wesentlichen" bedeutet „vollständig, in der Hauptsache".
✓ Es signalisiert bewusst Lücken — das Pensum wurde nicht vollständig bewältigt.
Die Personalpraxis nutzt „im Wesentlichen" gezielt als Abwertungscode.
✗ Ein Vorbehalt bei der Menge ist genauso unbestimmt wie bei einer Eigenschaft.
✓ Er bezieht sich auf zählbare Arbeit und ist damit im Zweifel konkret nachprüfbar.
Gerade diese Nachprüfbarkeit macht ihn für den Arbeitgeber schwerer zu verteidigen.
Mehrdeutig — auf den Kontext kommt es an
Diese Formulierung lässt mehr als eine seriöse Deutung zu. Welche zutrifft, zeigt erst das gesamte Zeugnis.
- 1Wörtlich gelesen: der überwiegende Teil des Pensums wurde geschafft, ein Rest nicht.
- 2In der Personalpraxis gelesen: ein Hinweis auf wiederkehrende Rückstände, die im Team ausgeglichen werden mussten.
FAQ
Häufige Fragen
Antworten auf die meistgestellten Fragen — kurz und verständlich.
Welche Note bedeutet „Er bewältigte das Arbeitspensum im Wesentlichen"?
Note 5. Der Vorbehalt „im Wesentlichen" räumt ein, dass ein Teil der Arbeit nicht bewältigt wurde — das liegt deutlich unter der geschuldeten durchschnittlichen Bewertung.
Warum ist dieser Vorbehalt beim Arbeitspensum besonders hart?
Weil er sich auf eine zählbare Größe bezieht. Nicht erledigte Arbeit bleibt sichtbar liegen, deshalb liest die Personalpraxis den Satz als Hinweis auf konkrete Rückstände statt als vorsichtige Formulierung.
Wie wehre ich mich gegen diese Formulierung?
Bitte schriftlich um die ersatzlose Streichung des Vorbehalts und frage zugleich, auf welche konkreten Vorgänge er sich stützt. Weil die Bewertung unterdurchschnittlich ist, muss der Arbeitgeber diese Vorgänge benennen können. Bereite deine eigene Dokumentation vor — Übergabeprotokolle, Fristenlisten und Vertretungszeiten sind hier die wirksamsten Gegenbelege.
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