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Zwischenzeugnis anfordern — Anspruch, Ablauf und Beispieltext

ZeugnisChecker-Team·15. März 2026·8 Min·Rechtsstand 2026·Aktualisiert: Oktober 2026
Zwischenzeugnis anfordern — schriftliche Bitte am Schreibtisch vorbereiten

Ein Zwischenzeugnis kannst du in der Regel bei berechtigtem Interesse anfordern, zum Beispiel bei einem Vorgesetztenwechsel, einer Versetzung oder einer Bewerbung. Bitte deine Führungskraft oder die Personalabteilung möglichst frühzeitig schriftlich um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis und nenne den Anlass sowie deinen Wunschtermin.

Hier erfährst du, welche Anlässe dafür sprechen, wie du die Bitte in vier Schritten vorbereitest und worauf du nach dem Erhalt achten solltest. Geht es bereits um das Ende deines Arbeitsverhältnisses, hilft dir stattdessen der Ratgeber Arbeitszeugnis anfordern.

Was ist ein Zwischenzeugnis?

Ein Zwischenzeugnis ist ein Arbeitszeugnis während eines laufenden Arbeitsverhältnisses. Es hält deine bisherigen Aufgaben und bei einem qualifizierten Zwischenzeugnis auch Leistung und Verhalten fest. Anders als ein Schlusszeugnis dokumentiert es einen Zwischenstand, nicht die gesamte Beschäftigung bis zum Ausscheiden.

Das ist besonders hilfreich, wenn sich Zuständigkeiten ändern: Deine bisherige Führungskraft kann die gemeinsam erlebte Arbeitsphase beschreiben, bevor eine neue Person die Beurteilung übernimmt. Für Bewerbungen zeigt es, welche Aufgaben und Verantwortung du aktuell hast.

Ein Zwischenzeugnis sollte nicht den Eindruck erwecken, du hättest das Unternehmen bereits verlassen. Achte deshalb darauf, ob Zeitformen, Anlass und Schlussabsatz zum fortbestehenden Arbeitsverhältnis passen. Beispiele zur Zeugnissprache findest du unter Arbeitszeugnis-Formulierungen verstehen.

Eine kompakte Übersicht zu Anlässen, Aufbau und Prüfung findest du auf unserer Seite Zwischenzeugnis: anfordern, verstehen und prüfen.

Wann habe ich Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

Ein Zwischenzeugnis kannst du in der Regel bei berechtigtem Interesse anfordern. Typische Anlässe sind ein Vorgesetztenwechsel, eine Versetzung oder eine Bewerbung. Benenne deinen tatsächlichen Anlass möglichst konkret, statt dich auf einen pauschalen Anspruch ohne Grund zu berufen.

§ 109 GewO regelt den Zeugnisanspruch bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses und unterscheidet zwischen einfachem und qualifiziertem Zeugnis. Einen allgemeinen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis während der Beschäftigung nennt diese Vorschrift nicht ausdrücklich. Sie ist deshalb nicht die unmittelbare Begründung für jede Zwischenzeugnis-Anfrage.

Prüfe außerdem deinen Arbeitsvertrag und gegebenenfalls die für dich geltenden tariflichen Regelungen: Dort können Vereinbarungen zum Zwischenzeugnis stehen. Ob in einer strittigen Situation ein Anspruch besteht, lässt sich nicht allein aus einer allgemeinen Liste von Anlässen entscheiden; dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.

Vorgesetztenwechsel oder Versetzung

Wenn deine Führungskraft geht oder du in eine andere Abteilung wechselst, lässt sich die bisherige Tätigkeit noch gemeinsam nachvollziehen. Bitte um das Zwischenzeugnis, sobald der Wechsel feststeht. Eine kurze Übersicht deiner Aufgaben und Projekte hilft dabei, die bisherige Arbeitsphase vollständig zu erfassen.

Bewerbung während der Beschäftigung

Für eine interne oder externe Bewerbung kann ein aktuelles Zwischenzeugnis sinnvoll sein. Es ergänzt ältere Schlusszeugnisse um deine jetzigen Aufgaben. Überlege vor der Anfrage, welche Angaben du zum Anlass machen möchtest; erfinde keinen Vorgesetztenwechsel oder anderen Grund, der tatsächlich nicht vorliegt.

Umstrukturierung, Elternzeit oder längere Abwesenheit

Bei einer Umstrukturierung können Ansprechpartner und Aufgaben wechseln. Auch vor einer längeren Abwesenheit kann es sinnvoll sein, den bisherigen Leistungsstand zu dokumentieren. Beschreibe den konkreten Anlass und kläre mit Führungskraft oder HR, welcher Beurteilungszeitraum erfasst werden soll.

Zwischenzeugnis anfordern: Ablauf in 4 Schritten

Eine kurze, sachliche Anfrage ist meist hilfreicher als ein langes Schreiben. Mit diesen vier Schritten gibst du den zuständigen Personen alle Informationen für die Bearbeitung.

1. Anlass und Ansprechpartner klären

Notiere, warum du das Zwischenzeugnis benötigst, etwa wegen einer angekündigten Versetzung. Frage bei deiner Führungskraft oder HR nach, wer die Erstellung koordiniert. Bei einem guten Gesprächsverhältnis kannst du die Bitte zunächst persönlich ankündigen und anschließend per E-Mail festhalten.

2. Zeitraum und Tätigkeiten zusammenstellen

Nenne deinen Beschäftigungsbeginn, deine aktuelle Position und den gewünschten Beurteilungszeitraum. Ergänze wichtige Aufgaben, Projekte und Verantwortungsbereiche als Stichpunkte. Bitte ausdrücklich um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis, wenn du neben Art und Dauer der Tätigkeit auch Leistung und Verhalten dokumentieren lassen möchtest.

3. Schriftlich bitten — mit Beispieltext

Passe den folgenden Beispieltext an deinen tatsächlichen Anlass und die im Unternehmen übliche Anrede an. Der genannte Termin ist dein Wunschtermin, keine pauschal geltende gesetzliche Frist.

Betreff: Bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis

Guten Tag [Name],

wegen [Anlass, z. B. meines Wechsels in die Abteilung …] bitte ich um
ein qualifiziertes Zwischenzeugnis für meine bisherige Tätigkeit
bei [Unternehmen] seit [Beschäftigungsbeginn].

Meine aktuelle Position ist [Position]. Eine Übersicht meiner Aufgaben
und Projekte füge ich zur Unterstützung bei.

Für [Zweck, sofern du ihn nennen möchtest] benötige ich das Zeugnis
möglichst bis zum [Wunschtermin]. Bitte geben Sie mir kurz Bescheid,
ob dieser Termin möglich ist. Für Rückfragen stehe ich zur Verfügung.

Vielen Dank und freundliche Grüße
[Name]

4. Termin abstimmen und nach dem Erhalt prüfen

Speichere deine Anfrage und die Antwort. Wenn dein Wunschtermin nicht möglich ist, bitte um einen konkreten Bearbeitungsstand und einen realistischen Termin. Prüfe nach Erhalt Namen, Zeitraum, Aufgaben sowie die Formulierungen zu Leistung und Verhalten, bevor du das Zwischenzeugnis für eine Bewerbung verwendest.

Welchen Grund sollte ich für die Anfrage nennen?

Ein nachvollziehbarer, tatsächlicher Anlass macht die Bitte verständlich. „Da meine bisherige Führungskraft die Abteilung verlässt, möchte ich meine bisherige Tätigkeit dokumentieren lassen“ ist konkreter als „Ich brauche irgendwann ein Zeugnis“. Bei einer Versetzung kannst du direkt auf den bevorstehenden Abteilungswechsel verweisen.

Du musst in der Anfrage nicht deine gesamte Karriereplanung ausbreiten. Wenn du den Hintergrund nur allgemein schilderst, kann HR aber nachfragen. Ob eine sehr allgemeine Begründung in deiner Situation genügt, lässt sich nicht pauschal zusagen. Sprich Unklarheiten an, statt einen vorgeschobenen Anlass zu verwenden.

Was sollte im qualifizierten Zwischenzeugnis stehen?

Kontrolliere zuerst, ob das Dokument deine tatsächliche Tätigkeit verständlich wiedergibt. Eine sprachlich positive Bewertung hilft wenig, wenn ein wichtiger Aufgabenbereich fehlt oder deine Position falsch beschrieben ist.

  • Person und Beschäftigung: Stimmen Name, Eintrittsdatum und aktuelle Position?
  • Tätigkeiten: Sind die wesentlichen Aufgaben, Projekte und Verantwortlichkeiten enthalten?
  • Leistung: Werden Arbeitsweise, Fachwissen und Arbeitsergebnisse nachvollziehbar beschrieben?
  • Verhalten: Passt die Beschreibung der Zusammenarbeit zu deinem Aufgabenfeld?
  • Anlass und Abschluss: Ist erkennbar, dass das Arbeitsverhältnis fortbesteht, statt bereits beendet zu sein?
  • Ausstellung: Sind Datum und ausstellende Person nachvollziehbar?

Ein Schlussabsatz kann zum Beispiel auf den Anlass der Ausstellung und die weitere Zusammenarbeit eingehen. Aus dem Fehlen einer einzelnen Dankes- oder Fortsetzungsformulierung allein lässt sich keine feste Note ableiten. Lies die Bewertung immer im Zusammenhang mit dem gesamten Text.

Zwischenzeugnis prüfen: Was mache ich nach dem Erhalt?

Lies das Zwischenzeugnis zuerst selbst gegen deine Aufgabenübersicht. Markiere sachliche Fehler und fehlende Tätigkeiten getrennt von Formulierungen, deren Bedeutung dir unklar ist. So kannst du gezielt um eine Korrektur oder Erläuterung bitten, statt nur eine allgemein bessere Bewertung zu verlangen.

Für eine sprachliche Einordnung kannst du dein Zwischenzeugnis prüfen: Der ZeugnisChecker analysiert Formulierungen und die daraus abgeleitete Bewertung. Die Textanalyse entscheidet nicht, ob deine Leistung tatsächlich zutreffend bewertet wurde, und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Entferne Namen und Kontaktdaten vor dem Teilen und beachte die Datenschutzhinweise des Angebots.

Für den direkten Einstieg kannst du deinen Text im Zeugnis-Check einfügen oder hochladen. Vergleiche die Hinweise anschließend mit deinen Unterlagen und besprich konkrete Unstimmigkeiten mit der zuständigen Person.

Was tun, wenn das Zwischenzeugnis ausbleibt oder abgelehnt wird?

Frage zunächst schriftlich nach dem Bearbeitungsstand. Verweise auf deine ursprüngliche Bitte, erläutere nochmals den tatsächlichen Anlass und bitte um eine Antwort oder einen abgestimmten Termin. Häufig lässt sich so klären, ob Informationen fehlen oder die zuständige Person gewechselt hat.

Wird deine Bitte abgelehnt, frage nach der Begründung. Ein vorhandener Betriebsrat oder eine Gewerkschaft kann bei der Klärung unterstützen. Wenn der Anspruch umstritten bleibt oder du das Dokument dringend benötigst, hole individuelle arbeitsrechtliche Beratung ein, statt allein auf allgemeine Aussagen im Internet zu vertrauen.

FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Zwischenzeugnis

Wann habe ich Anspruch auf ein Zwischenzeugnis?

In der Regel bei berechtigtem Interesse, zum Beispiel bei Vorgesetztenwechsel, Versetzung oder Bewerbung. Prüfe zusätzlich deine vertraglichen und gegebenenfalls tariflichen Regelungen. § 109 GewO regelt das Zeugnis bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses, nicht ausdrücklich einen allgemeinen Zwischenzeugnis-Anspruch.

Wie bitte ich per E-Mail um ein Zwischenzeugnis?

Nenne deinen tatsächlichen Anlass, deine Position, den Beschäftigungsbeginn und einen Wunschtermin. Bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis, wenn Leistung und Verhalten enthalten sein sollen. Der Beispieltext im Abschnitt zum Ablauf zeigt dir eine kurze, sachliche Formulierung.

Kann ich ein Zwischenzeugnis ohne Grund anfordern?

Du kannst danach fragen. Ohne nachvollziehbaren Anlass solltest du aber nicht von einem allgemeinen Anspruch ausgehen. Ein berechtigtes Interesse macht die Bitte konkreter; Vereinbarungen in Arbeitsvertrag oder Tarifregelungen können ebenfalls relevant sein.

Bis wann sollte ich das Zwischenzeugnis anfordern?

Bitte möglichst früh darum, sobald der Anlass feststeht. Bei einem Vorgesetztenwechsel ist eine Anfrage vor dem Abschied sinnvoll, solange die bisherige Führungskraft deine Tätigkeit noch direkt einordnen kann. Stimme den gewünschten Ausstellungszeitpunkt mit HR oder deiner Führungskraft ab.

Was sollte ich im Zwischenzeugnis prüfen?

Prüfe Namen, Beschäftigungszeitraum, Position und die Vollständigkeit deiner Aufgaben. Lies außerdem Leistung, Verhalten und Schlussabsatz im Zusammenhang. Ein sprachlicher Zeugnis-Check kann bei der Einordnung helfen; die tatsächlichen Aufgaben und Leistungen musst du selbst mit deinen Unterlagen abgleichen.

Fazit: Anlass nennen, schriftlich bitten, Ergebnis prüfen

Fordere dein Zwischenzeugnis möglichst dann an, wenn ein konkreter Anlass feststeht und die bisherige Tätigkeit noch gut nachvollziehbar ist. Mit einer kurzen Aufgabenübersicht, einem klaren Beispieltext und einem abgestimmten Wunschtermin erleichterst du die Bearbeitung. Nach dem Erhalt prüfst du zuerst die sachlichen Angaben und anschließend die Bewertung im Zusammenhang.

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